Warum ein freies, anonymes Internet uns allen schadet!

Im Zuge meiner Recherchen für neue Beiträge suche ich oft stundenlang im Internet nach Informationen für bestimmte Sachverhalte. Da klickt man sich von einem Thema zum Anderen und manchmal zu Seiten, zu denen man eigentlich nicht kommen wollte und es auch nicht geben dürfte.

Wovon ich rede? NS-Propaganda, Hassrede, Hetze gegen alles und jeden, Tauschportale von Hetzschriften und Rechts-Rock Musik. Möchte da gar nicht zu sehr ins Detail gehen.

Und genau das ist mir gestern erneut passiert. Meine Recherche führte mich zu einer Seite, die als Blogportal für eine große Webseite mit angeschlossenem Nazi-Devotionalien-Webshop dient. Die Seite ist in mehr als zehn verschiedenen Sprachen aufrufbar und hat Tausende Userkommentare in Englisch und Deutsch. Da ich grundsätzlich Interesse an einem freien, aber nicht rechtsfreien Internet habe, meldete ich die Seite. Nicht das erste und vermutlich auch nicht das letzte Mal. Eine namhafte Organisation, die es sich zur Aufgabe macht, gegen Antisemitismus im Netz vorzugehen, gab mir binnen 12 Stunden eine Antwort auf meine E-Mail:

Hallo,

einen Blog kann man ja ganz einfach eröffnen, dazu braucht man nur eine Email [sic]. Daher gibt es auch unendlich viele rechtsextreme Blogs, gegen die man so gut wie nicht vorgehen kann. Die Seite beispiel.com wird in den USA gehostet und vermietet übrigens auch Webseiten auf dem Server http://beispiel.htm

Die Email [sic] Adresse ist dieselbe wie in den Domaininhaber-Daten..

Viele Grüße,
M.

Schon irgendwie frustrierend! Aber wehe man verlinkt alles und jeden ordnungsgemäß und wird am Ende trotzdem abgemahnt, weil ein einzelnes Bild ohne Quellangaben verwendet wurde. Da muss man ja fast sagen, dass jeder, der legal eine eigene Domain mit dem echten Namen registriert, doch selbst Schuld an der eigenen Verwundbarkeit ist!

Ich weiß gar nicht, wie viele Organisationen sich dem Kampf gegen Hetze, Verleumdung und Nötigung im Netz verschrieben haben. Allein im deutschsprachigen Raum gibt es mehrere Dutzend davon – und damit meine ich nur die offiziellen Stellen, an die man sich wenden kann/soll. Aber in Wirklichkeit sind sie nicht mehr, als ein zahnloser Tiger. Sätze wie:

„Auch als anonymer Poster von solchen strafbaren Hasskommentaren ist man nicht immer vor der Verfolgung gefeit. Man hinterlässt fast immer Spuren im Internet, die am Ende häufig doch eine Identifizierung ermöglichen.“

findet man zuhauf auf diesen Beratungsportalen, aber die Wirklichkeit sieht wie so oft ganz anders aus. Viele Server sind anonym in den USA, Thailand, Russland oder sonst wo auf der Welt und jeder kann dort ebenfalls weitgehend anonym einen Serverplatz mit entsprechender Domain erwerben. Spuren? Ja, die gibt es natürlich! Rückverfolgung? So gut wie unmöglich!

 

Das Internet als rechtsfreier Raum

Die glorifizierten Erfolgsmeldungen auf Facebook, Twitter und Co. entstehen nicht selten aus Unachtsamkeit der User. Sie geben irgendwann eine Adresse und Namen an, oder schreiben über den netten Nachbarn so und so. Oftmals wird vom Anbieter lediglich der Kanal gelöscht und das eigentliche Problem als gelöst abgehakt. Die wahre Identität bleibt zumeist im Verborgenen und es wird innerhalb kurzer Zeit eine neue Seite eröffnet!

Man erinnere sich doch nur an Megaupload und Kim (Dotcom) Schmitz: Der Schaden für die Film- und Musikindustrie ging in die Hunderte Millionen. Man kannte den Urheber, man kannte die Seite, ein riesiges Team an IT-Spezialisten arbeitete monatelang, um die Seite zu sperren. Und das Ergebnis? Die Seite ging down, eine neue Seite, die sich an die gesetzliche Grauzone etwas besser anpasste, wurde wieder eröffnet. Aus Megaupload wurde MEGA und ab 2018 soll der Bezahldienst K.im die Content-Industrie aus Hollywood das Fürchten lehren. Seit Jahren lebt Kim Schmitz in seiner Villa in Neuseeland. Bezahlt mit seinen Millionen aus Megaupload! Eine Haftstrafe hat er vermutlich nicht so schnell zu befürchten.

Selbst mit diesem Aufwand ist man bei einem der vermutlich größten (und fettesten) Fische im Teich des Onlinebetruges vollkommen machtlos. Da drängt sich mir natürlich die Frage auf, ob man der Kriminalität „im Kleinen“ überhaupt noch nachgehen kann? Weniger aus Gründen der Machbarkeit sondern vielmehr der Ressourcen wegen.

Der Fingerzeig ist wohl schon die größte Waffe, um überhaupt noch irgendwas gegen die rasch ansteigende Cyberkriminalität im Netz auszurichten. Außer der Hetzer gibt neben seiner IP auch noch seinen Namen und die Wohnadresse bekannt! Aber selbst dann sollte dieser nicht im fernen Ausland leben, damit tatsächlich gegen ihn vorgegangen werden kann.

Kommentar: Da_Wolf

 


 

Quellenangaben:

Titelbild: https://pixabay.com/de/kapitalismus-faschismus-hass-152816/ (03.01.2017, 01:30) – Kampf gegen Antisemitismus (Bild wurde in Photoshop bearbeitet).

5 Gedanken zu „Warum ein freies, anonymes Internet uns allen schadet!

  • 5. Januar 2018 um 15:41
    Permalink

    Genau so werden Fürsten und Bürger gewettert haben, als mit der Druckerpresse auf einmal jeder hergelaufenen Reformator seine (K)Hetzereischriften unter die Leute spucken konnte.

    Antwort
  • 6. Januar 2018 um 0:19
    Permalink

    Hallo Da Wolf,

    ein gutes Thema, ein sehr guter Kommentar, der zeigt, wie die Realität im Internet aussieht.

    Gruß vom Paul

    Antwort
    • 12. Januar 2018 um 9:15
      Permalink

      Hallo Paul,

      Vorallem zeigt es doch sehr deutlich wie wenig man gegen Hass im Netz tatsächlich tun kann. Wenn öffentlich von Hass und Rassismus im WWW gesprochen wird, dreht sich leider immer alles nur um Facebook, Twitter und Co. Davon unabhängige Plattformen finden leider nie Erwähnung.

      Liebe Grüße,
      Da_Wolf

      Antwort
      • 12. Januar 2018 um 17:37
        Permalink

        Hallo Da_Wolf,

        Hass im Netz wird niemand vermeiden. Wichtig bleibt, wie jeder Einzelne damit umgeht. Das Netz wirkt dabei als Spiegel der Menschen. Nur, dass sie dort verborgen agieren und sich meist nicht offen zeigen.

        Dir ein schönes Wochenende und weiterhin viel Erfolg.

        Lieber Gruß vom Paul

        Antwort

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