Unser Wunschkind aus dem Reagenzglas

Es ist der Stoff unzähliger Horrorfilme, gleichzeitig die Hoffnung vieler: Mittels Gentechnik Krankheiten auslöschen, bevor sie überhaupt entstehen um somit den idealen Menschen zu schaffen. Ist dies bereits möglich, oder sind wir noch fern von jener Vorstellung? In wie weit kann man Designerbabies  – Kinder nach Maß tatsächlich schon modellieren und wo sind die Grenzen des Machbaren?

 

Begriffe wie „Kinder nach Maß“ oder gentechnisch modellierte „Designerbabies“ lösen bei der Debatte um die Anwendung moderner Biomedizin am ungeborenen Leben wahre Hysterien aus. Es geht dabei um die Manipulation des Erbguts, ein Vorselektieren sowie der Schaffung eines idealen, wertvolleren Menschen. Themen, die reichlich in Science-Fiction Filmen thematisiert werden und wohl auch noch längere Zeit wenig mit der Realität gemeinsam haben – zumindest teilweise. Natürlich gibt es mittlerweile das Kind nach Maß, jedoch ist die moderne Medizin weit davon entfernt, was gemeinhin darunter verstanden wird.

„Durch die Entschlüsselung des Erbguts sind jetzt Kinder nach Maß möglich!“ Einerseits befeuern solche und ähnliche undifferenzierte Meldungen die Unsicherheit und Skepsis gegenüber den neuen medizinischen Möglichkeiten. Andererseits sind es die Mediziner, die zu beschwichtigen versuchen, um die Skeptiker ruhig zu stellen. Natürlich kann man kein Designer-Baby schaffen, indem man Gene zufällig zusammenschüttet. Fakt ist, dass wir noch nicht alle Gene kennen und von den wenigsten überhaupt wissen, welche Aufgabe sie erfüllen. Bei einer zukünftig möglichen Auswahl von Augen- und Haarfarbe ist das ein entscheidender Faktor. Ganz zu schweigen von den Umwelteinflüssen, die den Menschen ebenso stark formen. Gedankenspiele um eine genmanipulierende Beeinflussung ungeborenen Lebens beschäftigte auch Albert Einstein, als er diesbezüglich ein Gespräch mit Marilyn Monroe führte:

Marylin Monroe: „Wäre es nicht toll, wenn wir Kinder bekommen würden, so klug wie sie und so schön wie ich?“
Einstein erwidert: „Und was machen wir, wenn unsere Kinder so klug wie sie und so schön wie ich sind?“

– Albert Einstein und Marylin Monroe

Trotz aller Einschränkungen ist das Geschäft um das ideale Kind mittlerweile zu einem milliardenschweren Betätigungsfeld geworden. Vor allem in den USA gibt es bereits mehrere Zentren für Reproduktionsmedizin, die Samen- und Eizellen von ausgewählten Spendern anbieten. Mit Samen von Wissenschaftlern und Fotomodels wollen sie die betuchte Kundschaft anwerben, im Versprechen mit den nötigen Geldmitteln auch ein besseres Leben erkaufen zu können. Spender werden also nach bestimmten Attributen ausgewählt obwohl man weiß, dass bei der Entstehung des neuen Genoms väterliche und mütterliche Erbanlagen durchmischt werden und damit die Individualität des neuen Genoms ausmachen. Zudem gibt es die Möglichkeit, dass sich bestimmte Erbanlagen, die sich bei den Eltern weniger stark ausgeprägt haben, bei dem eigenen Kind stärker ausprägen könnten oder umgekehrt.

Charlie_Jamie Rettungsgeschwister
Vielleicht gehören sogenannte „Rettungsgeschwister“ bereits in wenigen Jahren zur Normalität. Auch die künstliche Befruchtung wurde kurz nach der Legalisierung stark in den Medien thematisiert und kritisiert.

Sind Kinder nach Maß nichts als reine Gedankenspiele? Keinesfalls! – Sie sind bereits Realität geworden! Jedoch ist der Begriff  „Designerbaby“ sehr dehnbar und beinhaltet eine Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten. Geht es um die Möglichkeit der Eltern, sich gegen Kinder mit genetischen Veränderungen, die zu schweren Krankheiten führen zu entscheiden, dann ist das heute mithilfe der Pränataldiagnostik und Präimplantationsdiagnostik bereits Realität. Die oft thematisierte und befürchtete Möglichkeit vorgeburtliche genetische Tests durchzuführen, um zum Beispiel das Risiko eines späteren Herzinfarkts zu bestimmen, sind jetzt und in absehbarer Zeit nicht möglich. Dass das Thema des idealen Menschen aus dem Reagenzglas mehr als nur heiße Luft ist, beweist das therapeutische Klonen – auch bekannt unter dem Namen „Rettungsgeschwister“. Dabei handelt es sich um einen Embryo, der geschaffen wird um embryonale Stammzellen zu gewinnen und damit einen kranken Menschen zu heilen, oder aber nur zu Forschungszwecken spezifisch hergestellt wird. Die Anwendung dieser Heilungsmethode ist in manchen Ländern bereits erlaubt, sollte aber bei künftigen Überlegungen einer Legalisierung gründlich hinterfragt werden. Geht es nach den Forschern, liegt die große Hoffnung der Genforschung im sogenannten „Genom-Editing“: Dabei wird die DNA mit molekularen Verfahren an einer bestimmten Stelle zerschnitten und anschließend das defekte Gen ausgetauscht oder repariert. Damit könnte man schwere Krankheiten bereits ausschalten, bevor sie überhaupt entstehen.

Baby_Reagenzglas
Auch wenn das Wunschkind aus dem Labor noch nicht machbar ist, so wird es bestimmt auch in Zukunft für reichlich Gesprächsstoff sorgen.

Während in Deutschland selbst die Pränataldiagnostik kritisiert wird, geht man in den USA einen ganzen Schritt weiter. Dort werden Babys im Labor gezüchtet und anschließend von Leihmüttern ausgetragen. Eines dieser Beispiele ist Mason. Mason war ein Embryo der besten genetischen Güteklasse und hat insgesamt vier Eltern: Jay, seinen biologischen Vater, Luke seinen sozialen Vater, Zoe, seine genetische Mutter und Elaine, die ihn letztendlich ausgetragen hat. Im Moment lebt er mit seinen beiden Vätern Jay und Luke in einem schönen Haus in der noblen New Yorker Upper East Side. Vor zweieinhalb Jahren entstand Mason aus dem Samen von Jay und einer Eizelle von Zoe, einer hübschen und schlauen Studentin von der Columbia Universität und reifte die ersten Tage in einer Petrischale im Labor einer Reproduktionsklinik heran. Etwa eine Woche nach der Befruchtung der Eizellen wachsen die Embryos im Labor unter idealen Bedingungen heran. Danach werden sie unter einem Mikroskop untersucht und nach Kriterien wie Zellteilung und Zellsymmetrie in die Kategorien „A“, „B Plus“ oder „C Minus“ eingeteilt, um der Tragemutter nur das beste Ausgangsmaterial einzusetzen.

„Er ist unser Wunschkind. Deshalb wollten wir ihn mit dem besten genetischen Ausgangsmaterial auf seinen Lebensweg schicken.“

-Luke, Masons sozialer Vater

Anders als in anderen Reproduktionskliniken der USA bleiben in Masons Klinik die Spenderinnen nicht anonym. In Katalogen und Videos kann man sich vorab über Herkunft, Talente, Ausbildung und Krankheiten informieren. Die Frauen sind meist jung, klug und wie Zoe meist musisch oder sportlich begabt. Die Spenderinnen erhalten pro Spende etwa umgerechnet 8.000 Euro als Vergütung.

Große Unklarheiten und Streitpunkte zwischen den befürwortenden Medizinern und deren Kritikern betreffen die Selektion und die Weiterverwendung der nicht eingesetzten, „minderwertigen“ Proben. Vor allem in Ländern wie Deutschland wird die Vorselektion oftmals mit den unmenschlichen Praktiken des Nationalsozialismus verglichen. Hier sei jedoch angemerkt, dass gerade im Nationalsozialismus die künstliche Befruchtung gegenüber der natürlichen Zeugung durch Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau abgelehnt wurde. Doch gerade aus Deutschland gibt es eine Vielzahl an Paaren, die die gesetzlichen Regelungen ihres Landes zu umgehen versuchen, in dem sie sich mit ihren Kinderwunsch an eine der Reproduktionskliniken in den USA wenden. Dr. Michael Doyle, Gründer von CT Fertility, einer Fortpflanzungsklinik in Connecticut betreute alleine 2015 über 53 Kunden aus Deutschland. Tendenz steigend!

PID selektieren
Was soll mit den gesunden, aber ungeeigneten Proben geschehen? Ob das Selektieren von Proben noch ethisch vertretbar ist wird wohl weiterhin einer der großen Kritikpunkte an der Präimplantationsmethode bleiben.

Besondere Kontroverse löste der Fall um das in Großbritannien geborene Designer-Baby namens Jamie aus. Er wurde nicht künstlich gezeugt, um Idealvorstellungen seiner Eltern gerecht zu werden, sondern um das Leben seines vier Jahre älteren Bruders Charlie zu retten. Der erste Sohn des Paares litt an Blutarmut, der sogenannten Diamond Blackfan Anämie und wurde durch schmerzhafte Bluttransfusionen am Leben erhalten. Die Ärzte hielten eine Heilung für möglich, wenn es gelingt von einem geeigneten Spender Stammzellen aus dessen Nabelschnurblut in das Knochenmark von Charlie zu implantieren. Einen geeigneten Spender zu finden stellte sich als komplizierter heraus als angenommen, da niemand aus seiner Verwandtschaft dafür in Frage kam. Die Familie stellte einen Antrag bei der britischen Kontrollbehörde, um mehrere Eizellen befruchten zu lassen und anschließend diese auf eine mögliche Eignung als Spender zu überprüfen. Die Behörde lehnte eine Gendiagnose ab, da laut damaligen Bestimmungen eine Überprüfung nur rechtens sei, um eine mögliche Anämie-Erkrankung beim neuen Kind zu erkennen, nicht aber um lediglich eine Eignung zur Transplantation festzustellen. Die Chance, dass ein Paar durch natürliche Befruchtung ein Kind mit geeignetem Spendergewebe zur Welt bringt, liegt gerade einmal bei eins zu vier. Bei künstlicher Befruchtung mehrerer Eizellen und anschließender Vorselektion erhöht sich die Chance eines Erfolgs auf rund 98 Prozent.

Trotz aller Anfechtungen von Regierungs- und Kirchenvertretern und der daraus entstandenen öffentlichen Debatte um gentechnische Manipulation an Embryonen sowie der möglichen Züchtung menschlicher Ersatzteile, stehen die Eltern Jayson und Michelle Whitaker nach wie vor zu ihrer Entscheidung. Sie wollten sich selbst später nicht den Vorwurf machen, nicht alles probiert zu haben um ihren Sohn zu retten. Die Eltern, die nicht müde werden immer wieder zu erwähnen, dass sie sich ohnehin immer ein weiteres Kind wünschten, stehen nun vor dem Erfolg all ihrer Bemühungen. Heute gilt Jamies älterer Bruder von der Blutarmut geheilt. Mit dem Erfolg nahm nicht nur ihre Angst vor der Zukunft ab, sondern ließ auch die kritischen Stimmen Großteils verstummen.

im Jahr 2008 wurde im britischen Unterhaus ein Gesetz gebilligt das fortan unter anderem erlaubt, unter Einhaltung gewisser Auflagen sogenannte Rettungsgeschwister zu produzieren. Ähnliche Bestimmungen folgten bald in anderen europäischen Ländern. In Deutschland ist die In-Vitro-Ferti­lisation – die künstliche Befruchtung, zwar erlaubt, aber die Präimplantationsdiagnostik zur Selektion von Embryonen bis zum heutigen Tag gesetzlich verboten.

In-vitro-Fertilisation - Darstellung des Ablaufs einer von der Eientnahme bis zum Embryonentransfer.
In-Vitro-Fertilisation: Darstellung des Ablaufs von der Eientnahme bis zum Embryonentransfer.

Diese damals neue Regelung nutzten auch die Eltern von Javier zu ihren Gunsten aus. Am 13. Oktober 2008 im Krankenhaus von Virgen del Rocío, in Sevilla geboren, konnte er seinen älteren Bruder Andrés Mariscal mittels genetisch passenden Stammzellen aus seinem Nabelschnurblut das Leben retten. Auch seine Eltern waren mit dem Problem konfrontiert, dass es zwar weltweit über elf Millionen Knochenmarkspender gebe, aber keiner mit ihm kompatibel war. Ähnlich wie im Fall Jamie aus Großbritannien, entgegneten die Eltern den Kritikern, die sich vor allem aus der katholischen Kirche und der konservativen Regierungsopposition zusammensetzten, mit ihrem Wunsch nach einem zweiten Kind. Einer Erklärung der Eltern zu Folge, sei er ein absolutes Wunschkind gewesen und rettete noch nebenbei das Leben seines Bruders.

Jamie und Javier waren die ersten Rettungsgeschwister in Europa, aber sicher nicht die Letzten. Derzeit gibt es allein in Großbritannien über ein Dutzend Elternpaare, die sich ein zusätzliches Kind wünschen, da eines ihrer Geschwister schwer krank sei. Überdies hinaus gibt es neben den kritischen und ermahnenden Worten von Seiten der katholischen Kirche und Wissenschaftler, auch Verständnis für die Entscheidung von Javiers Eltern. Der Jesuit Juan Masiá, einer der großen Bioethik-Experten sagte der  Zeitung „El-Mundo„, dass er die Methode nicht grundsätzlich ablehne, aber einen verantwortungsvollen Umgang fordere. Er ist sich sicher, dass die Eltern Javier genauso sehr lieben wie seinen jüngeren Bruder. Mittlerweile setzen auch Kronprinz Felipe und Prinzessin Letitzia auf die neue Behandlungsmethode. Sie ließen nach der Geburt ihrer Tochter Leonor, Stammzellen aus ihrem Nabelschnurblut entnehmen, um diese anschließend für den Fall einer schweren Krankheit bei einer Spezialfirma in den USA zu lagern.

Wie steht ihr zu diesen Experimenten am menschlichen Leben? Seht ihr darin die Chance auf eine zukünftige Heilung für Krebs, Alzheimer und andere unheilbare, sowie schwer behandelbare Krankheiten oder befinden wir uns damit auf dem besten Weg unsere Menschlichkeit zu verlieren? Wie weit soll man gehen und wie weit sind Eingriffe am ungeborenen Leben ethisch vertretbar? Wo liegen die Risiken eines Missbrauchs? Wie würdet ihr handeln, wenn ihr in der Lage von Javiers oder Jamies Eltern wärt? In Anbetracht der Brisanz des Themas bin ich dieses Mal besonders auf eure Rückmeldungen interessiert. All eure Gedanken zum Thema, gleich in die Kommentare!


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Weiterführende Links:

Quellenangaben:

Titelbild: http://webiva-downton.s3.amazonaws.com/877/59/3/6877/puzzle_baby_flyaway.png (13.07.2016, 14:49) – Kindergesicht in Puzzlestücke aufgeteilt.

 

http://i4.thejournal.co.uk/incoming/article4368764.ece/ALTERNATES/s615b/E186B3E7-E699-3059-2D9D06DA1DDA5737.jpg (13.07.2016, 14:52) – Familienbild mit einem Rettungsgeschwister.

http://www.stoppt-pid-und-klonen.de/uploads/bilder/full/arzt_reagenzglas_630x3604.jpg (13.07.2016, 14:53) – Baby im Reagenzglas.

http://www.esanum.de/wp-content/uploads/2015/01/Praeimplantationsdiagnostik.jpg (13.07.2016, 14:55) – Graphische Darstellung der Präimplantationsmethode.

http://www.jameda.de/gesundheits-lexikon/bilder/medium/266341.jpg (13.07.2016, 14:57) – Erklärung einer In-Vitro-Fertilisation.

 

21 Gedanken zu „Unser Wunschkind aus dem Reagenzglas

  • 13. Juli 2016 um 16:19
    Permalink

    Willkommen in der „Schönen neuen Welt“. Nein, ich kann dies nicht befürworten, da niemand wirklich weiß wo der Schlussstrich gezogen sein soll. Wir haben uns schon so sehr von der Natur entfernt, mit welchen Folgen ist und wird immer deutlicher sichtbar.

    Antwort
  • 13. Juli 2016 um 16:59
    Permalink

    Beim Lesen musste ich an den Film „A.I. – künstliche Intelligenz“ denken. 😮
    Ich liebe meine Kinder , mit all ihrer Unvollkommenheit und all ihren Fehlern! Worüber sollte ich mich sonst ärgern, wenn sie mal wieder nicht auf mich hören? 😀
    Will man das „perfekte“ Kind? Braucht dieses perfekte Kind mich dann noch? Schämt sich dieses perfekte Kind nachher , weil ich nicht so perfekt bin? …….

    Antwort
  • 13. Juli 2016 um 22:02
    Permalink

    Hallo.. hallo.
    Vor einiger Zeit habe ich über dieses Thema mal einen Vortrag gehalten, vorher entwickelte ich durch meine Recherche eine deutlich zwiegespaltene Meinung.
    Erstmal ist es unglaublich, dass wir tatsächlich entlich damit beginnen können, uns selbst kennenzulernen. Auf der kleinsten, uns bekannten Ebene- unserer DNA. Dass wir (Menschheit) langsam lernen, was wofür zuständig ist und wie wir uns selbst genetisch im Vorfeld beeinflussen können, finde ich, ist auf keinen Fall eine schlechte Entwicklung. Biologie ist awesome 🙂 und Gentechnik bringt mich immer wieder zum staunen. Natürlich untergraben wir damit die Natur, aber nur, wenn man davon ausgeht, dass Menschen nicht natürlich sind.
    Wenn es üblich wäre, nurnoch Wunschkinder zu haben, würde sich die Menschheit dann auch selbst selektieren. Nur Ideale haben noch eine Daseinsberechtigung. Das mindert dann gezwungenermaßen den „Wert“ von „normalen“ Menschen.
    Womit ich an dem Punkt wäre, der in deinem Artikel noch nicht angesprochen wurde.
    Das Geld.
    Mit Sicherheit wäre es auch in Zukunft nicht für jeden bezahlbar, sich sein Kind zu kaufen und das bedeutet, dass sich eine extreme Klassenteilung entwickeln würde. Reiche Eltern, würden sich „schöne“ Kinder zusammenbasteln lassen, noch reichere würden die Bastler bezahlen um die Kinder der Reichen „hässlich“ zu machen. Arme Eltern, oder einfach welche, die es sich nicht leisten können, oder wollen würden „hässlichere, dümmere, unbegabtere“ Kinder bekommen. Der Spalt zwischen arm und reich würde immer größer, und vor allem sichtbar.
    Dann würde sich Rassendenken nicht nur über Nationalitäten, sondern Schönheitsgrade erstrecken.
    Widerlich.

    Antwort
    • 29. Juli 2016 um 9:22
      Permalink

      Hallo, hallo 😉

      Einerseits ist es absolut notwendig unsere Bausteine, unsere DNA endlich kennen zu lernen. Andererseits sollte man die Risiken nicht auszublenden. Was meintest du mit „ …Natürlich untergraben wir damit die Natur, aber nur, wenn man davon ausgeht, dass Menschen nicht natürlich sind?“
      Dass wir lernen wie wir „funktionieren“ ist wohl die Grundlage um tatsächlich wirksam gegen Krankheiten vorzugehen und diese effizient zu bekämpfen. Es würde sich vermutlich ein komplett neues Feld der Medizin erschließen, das nicht nur durch Beobachten und im medizinischen Sinne aus „Feldversuchen“ besteht.
      Deine Befürchtung einer 2-Klassenmedizin kann ich nur sehr gut nachvollziehen, da es vor wenigen Jahren bereits einen ähnlichen Fall gab:

      Er, ein reicher taiwanesischer Geschäftsmann so um die 30-40 Jahre alt sucht über eine teure Partnervermittlung seine Traumfrau. Im Portfolio der Partnervermittlung finden sich Frauen im gebärfähigem Alter, unter 30 Jahre alt, aus gutem Hause, mit abgeschlossener universitärer Ausbildung und sind von herausragender Schönheit. Es werden mehrere Treffen arrangiert, der Mann verliebt sich in eine der Frauen, zahlt eine sehr hohe Summe Geld an ihre Familie und die Partnervermittlung und heiratet sie anschließend. Wenige Jahre später wird sie schwanger und bekommt das erste Kind, kurze Zeit später das Zweite und danach das Dritte. Soweit so gut. Nachdem die Kinder bereits ein paar Jahre alt waren (ich schätze so um die 4-8 Jahre) zeigte sich, dass die Kinder gänzlich anders als er und seine Frau aussahen. Man war fast gewillt zu sagen, sie waren hässlich! Ein Aspekt der für den Mann völlig unverständlich war, war seine Frau doch von besonderer Schönheit und er auch nicht unbedingt dass, was man als hässliches Entlein bezeichnen würde. Infolge seiner Recherche fragte er sich und seine Frau, warum sie ihm nie Bilder aus ihrer Kindheit zeigen konnte! Aus gutem Grund: Es stellte sich heraus, dass sich die Frau zahlreichen Schönheitskorrekturen unterzogen hatte (Nase, Lippen, Augen, Wangen etc…), um sich anschließend einen reichen Mann zu angeln. Der Mann hatte daraufhin seine (hässlichen) Kinder mehr oder weniger verstoßen und seine Ehe annulliert, da diese auf Grund falscher Annahmen geschlossen wurde.

      Hier der Link dazu: http://www.dailymail.co.uk/femail/article-3312405/Model-s-life-ruined-image-turned-internet-meme.html

      Jetzt könnte man natürlich sagen, dass das Verhalten der Frau keinesfalls zu tolerieren sei, aber der Mann doch das weitaus schlimmere Übel sei. Aber zumeist war genau das Gegenteil der Fall. Die Gesellschaft verurteilte das Verhalten der Frau und nahm den hintergangenen Mann trotz seines Verhaltens in Schutz. Der Ruf und das Leben der jungen Frau waren ruiniert.

      Besonders tragisch war aber letztendlich der Umstand, dass die gesamte Geschichte von Beginn an eine Lüge war. Das im Internet veröffentlichte angebliche Familienfoto war eine Fälschung. Diese „Familie“ wurde zu Werbezwecken für eine Schönheitsklinik zusammengestellt, um potentielle Kunden zu gewinnen. Das Internet der Dinge tat jedoch bereits sein bestes und der Ruf der Frau war für immer ruiniert. In Wirklichkeit hatte sie keine Kinder, hatte sich keine Schönheitsoperationen unterzogen und auch keinen Mann über eine Agentur kennen gelernt.
      Sieht man sich das Geschäft der Liebe in Asien etwas genauer an, merkt man bereits an den U-Bahn-Stationen welchen Stellenwert die Schönheit und Bildung dort haben. Überall präsentieren sich die Schönheitskliniken auf Werbeplakaten, dass es ratsam sei, sein Äußeres den Idealvorstellungen der Gesellschaft anzupassen. In Wirklichkeit werden die Frauen nicht schöner, sondern gleicher! Im südkoreanischen Nobelviertel Gangnam sieht man besonders viele dieser „Schönheits-Zombies“. Nicht auszudenken, gäbe es bereits jetzt die Möglichkeit einer Vorselektion. Besonders bedenklich ist die Tatsache, dass diese Länder absolute Spitzenreiter in der Statistik der Selbstmörder unter 30 Jahren sind. Nirgendwo ist der gesellschaftliche Erfolgsdruck auf Jugendliche und junge Erwachsene größer als dort und in keinem anderen Land beenden mehr junge Menschen ihr Leben durch die eigene Hand. Besonders perfide ist der Aspekt, dass Eltern eines Selbstmörders oftmals gesellschaftlich geächtet werden, wobei die Familie als höchstes Gut gilt. Ein wahrer Teufelskreis.

      Antwort
  • 14. Juli 2016 um 12:18
    Permalink

    kurze Korrekturen vorneweg:
    Bitte Rückenmark durch Knochenmark ersetzen Stammzellen werden zur Behandlung von Erkrankungen des Blutbildenden Systems aus dem Knochenmark (oder nach medikamentöser Vorbehandlung durch eine spezielle Blutwäsche) von (z.B. bei der DKMS gelisteten) Knochenmarkspendern (Es gibt keine Rückenmarkspender, die wären danach Querschnittsgelähmt) oder aus Nabelschnurblutspenden gewonnen. Die Transplantation erfolgt einfach durch eine Infusion, die Stammzellen finden von selbst den Weg in das Knochenmark des Patienten (Auch bei Charlie wurden die sicher nicht in das Rückenmark implantiert um seine Blutbildungsstörung zu behandeln)
    zum anderen ist wohl ein Dreher bei der Geschwisterreihenfoge der spanischen Familie drin: Ein Neugeborenes kann ja wohl nur einem älteren mit einer Nabelschnurblutspende (Dabei wird nach dem Abnabeln Nabelschnurblut aus der noch mit der Plazenta, aber nicht mehr mit dem Kind verbundenen Nabelschnur gewonnen, also ohne Risiko für das Baby etwas genutzt, was sonst im Klinikmüll landet) helfen, einen jüngeren Bruder kann es da schlecht geben 😉
    Ansonsten stellt sich bei Eltern, die ein so schwer Erkranktes Kind betreuen schon die Frage ob es zumutbar ist auf Verdacht Kinder zu bekommen, die dann mit einer Wahrscheinlichkeit von 75% nicht passen – wie geht es dann den Eltern und den „unpassenden“ Kindern psychisch damit? Sollen Eltern, die ein Geschwisterkind als letzte Rettung sehen, weil bei den weltweit gelisteten 6 Millionen Knochenmarkspendern kein passender Dabei ist, ein Kind nach dem anderen bekommen, bis eines passt? Es gibt z.B. wenn die Eltern biologisch von verschiedenen Kontinenten stammen, Patienten mit sehr seltenen Kombinationen von Gewebemerkmalen (HLA-Typisierung), die kaum Chancen auf passende Sepnder haben.

    Antwort
    • 29. Juli 2016 um 1:14
      Permalink

      Vielen Dank für deine Anmerkungen. Habe die Änderungen nach längerer Schaffenspause (Urlaub) im Beitrag korrigiert. Würde mich sehr freuen auch in Zukunft Korrekturvorschläge beziehungsweise Anmerkungen von dir zu erhalten. Woher kommt dein Fachwissen? Ich muss ganz ehrlich sagen, dass es viele Themen gibt, über die ich mehr Interesse als Fachwissen habe und dennoch versuche mittels Recherche oder Befragungen im direkten Umfeld genügend Informationen zu sammeln um anschließend einen Artikel darüber zu verfassen. Natürlich sollten trotz allem diese Fehler nach Möglichkeit nicht passieren! Feedback deinerseits ist daher stets erwünscht 😉
      In den beschriebenen Fällen kann ich die Entscheidung der Eltern ganz gut verstehen. Natürlich ist es davon abhängig, ob man sich als Außenstehender damit beschäftigt, oder tatsächlich vor dieser schwierigen Entscheidung steht. Aber ich vermute ich hätte wohl eine ähnliche Entscheidung getroffen, wenn die Möglichkeit an mich herangetragen worden wäre. Einzig der immense Aufwand und die Möglichkeit trotzdem zu scheitern wären wohl stetige Begleiter meiner Gedanken. Eine Frage an dich: Wenn die Eltern von verschiedenen Kontinenten stammen, kann bei Patienten mit seltenen Kombinationen von Gewebemerkmalen nicht einmal ein Rettungsgeschwister das Leben des Kindes retten? Verstehe ich da etwas falsch? Oder ist das in diesem Fall auf natürliche Weise noch um einiges schwieriger und daher nur unter Laborbedingungen möglich?
      Wie es den unpassenden Kindern geht? Ich glaube sicherlich viel besser als einem unehelichen Kind – vorausgesetzt die Hintergründe der Entstehung werden nicht zu sehr thematisiert. Für das Kind spielen die biologischen Eltern eine eher untergeordnete Rolle, sollten andere Personen es liebevoll aufziehen und beschützen. Das heißt aber für mich trotzdem ganz klar, dass ein Kind eine männliche und eine weibliche Bezugsperson braucht!

      Vielen Dank und liebe Grüße
      Da_Wolf

      Antwort
  • 15. Juli 2016 um 15:41
    Permalink

    Ein sehr schweres Thema.
    Ich denke, das man nicht pauschal mit Ja oder Nein antworten kann.
    Auf keinen Fall darf das diese Technik rein kommerziell in der Hand der Großkonzerne bleiben.
    Aufhalten kann man diese Entwicklung eh nicht, da jeder Staat auf der Welt macht, was er will.
    Wenn wir in der BRD etwas verbieten, da macht das eben ein anderer Staat.
    In einem demokratischen, fortschrittlichen Staat, mit entsprechenden Regelungen, würde ich aber als sinnvoll erachten, Eltern mit genetischen „Defekten“ bzw. Erbkrankheiten die Chance geben, ein gesunden Kind zu ermöglichen, welches diesen „Defekt“ nicht mehr aufweist.

    Da es immer mehr Umweltgifte gibt aber auch Unfälle z.B. KKW´s, wird die Zahl der Menschen mit „ungewollten“ Mutationen zunehmen.
    Wenn wir mal davon ausgehen, das die Menschheit noch in Millionen von Jahren existiert, wird es irgendwann den Punkt geben, wo man um das Reparieren der DNS nicht mehr herum kommt, weil jeder eine „Besonderheit“ aufweist.

    Auf jeden Fall muss man das Designen von Genies, Supergenies, Megasportlern oder Übersoldaten verbieten, verhindern !

    Wenn es um die Herstellung des Status quo geht, eine gesunde, natürliche DNS und eine echte Kontrolle, Überwachung (der Genetik, der Wissenschaftler) gibt, würde ich eher auf Ja als Nein tendieren.

    Alternativ könnte man natürlich auch Schadstoffe und jede Technologie, die Erbgut schädigt, verbieten.
    – vermutlich ein chancenloser Wunschtraum –

    Antwort
    • 23. Juli 2016 um 14:06
      Permalink

      Ich für meinen Teil sehe Schwierigkeiten in der Abgrenzung zwischen der Reperatur und gewollten, nicht unbedingt notwendigen Eingriffen in die menschliche DNS. Natürlich kann man den Fortschritt nicht gänzlich aufhalten, aber verbindliche Regelungen schaffen auch schon heute mitunter halbwegs gute Gute Voraussetzungen, die (fast) überall eingehalten werden. Siehe Urananreicherung als Beispiel. Eine internationale Regelung, die sich gegen das ‚züchten von Menschen‘ ausspricht, wird auch Supersoldaten oder was auch immer in politisch isolierten Staaten unterbinden. Man weiß zwar noch nicht wie, aber die Schaffung eines perfekten Menschen wird man kaum Zuhause im Wohnzimmer schaffen. Das beruhigt mich zumindest ein wenig.
      Unsere Umweltgifte die uns umgeben, werden sicherlich noch zu folgenschweren Mutationen führen und dem entgegenzuwirken wird eine Aufgabe der nächsten Generationen werden. Die Frage ist weniger ob wir es schaffen, sondern mit welchem Maß wir mit der zukünftigen Technologie umgehen werden. Das Problem sehe ich mit dem späteren Vorteilen: Ein verbesserter, korrigierter Mensch ist nicht gefährlicher für andere, er wird auch sonst keine Schäden anrichten. Die Vorteile werden für die betreffende Person und das direkte Umfeld klar überwiegen und rein äußerlich sowie sozial wird er sich von den Anderen nicht unterscheiden. Die ausbleibende direkte Gefahr wird den Umgang mit den Möglichkeiten einer DNS Manipulation erheblich erschweren. Natürlich könnte man auch die Umweltgifte verbieten und Personen von Krankheiten heilen. Die Geschichte zeigte uns jedoch, dass der Mensch stets den Weg des geringsten Widerstandes gehen wird.

      Antwort
  • 16. Juli 2016 um 19:03
    Permalink

    Hier stellt sich mir die selbe Frage, wie nach der Lektüre von Huxleys Brave New World: Dystopie oder Utopie?

    Antwort
    • 23. Juli 2016 um 13:03
      Permalink

      Wohl noch länger eine Utopie! Aber was die Zukunft noch alles mit sich bringt möchte ich auch nicht wissen …

      Antwort
  • 27. Juli 2016 um 20:53
    Permalink

    Hallo Wolf,

    ja, wirklich ein heißes Thema, wo es auch schwer fällt, sich ganz auf eine Seite zu stellen. Obwohl man laut NEIN schreien möchte, muß man bedenken, daß es einige wenige Punkte dabei gibt, die ein ganz leises JA berechtigen.

    Wenn ich das Wort „Designerbaby“ höre, fällt mir sofort Lagerfeld, Versace, Armani, Gucci etc. ein. Auch noch Designerhandtaschen, Designerklamotten, Designermöbel etc. Ist das nicht schlimm?

    Nachdem der Mensch ja ein alter Nimmersatt in allen Dingen ist, wird er auch in Sachen Genmanipulation wieder über alle Grenzen der Ethik und Moral hinaus, alles machen, was Geld, zweifelhafte „Ehren“, Selbstbefriedigung und Selbstbeweihräucherung bringt. Was ja bereits zu tausendmalen bewiesen wurde.
    Sollte dieser Zweig der Wissenschaft nur aus bodenständigen, vernünftigen, immun gegen alle Versuchungen und ehrenvollen Forschern bestehen, so könnte sie Leid lindern. Die Anwender, sprich Ärzte, müssten natürlich dann auch über jeden Verdacht erhaben sein☺️ Leider läuft eben nicht alles so, wie wir es wünschten.
    Ich denke, daß vor allem die Ausmerzung schlimmer Erbkrankenheiten sehr wichtig wäre! Wenn es, wie gesagt, auch dabei bliebe, fände ich Genmanipulation in diesem speziellen Bereich willkommen. Aber wenn jetzt schon sog. Eltern in den hochkarätigen Sprechzimmern sitzen, die sich Augen- und Haarfarbe aussuchen möchten und den IQ und die Nasenform auch noch, finde ich das sehr gefährlich, abstoßend und auch noch unmenschlich! Wie schön ist doch ein Mensch in seinen Unzulänglichkeiten, der großen Nase, den abstehenden Ohren, der nicht Größe 34 besitzenden Figur und seiner Matheschwäche etc. Gerade das macht uns individuell, liebenswert und ganz besonders? Wenn alle gleich aussehen und gleich perfekt wären, dann wär’s schön langweilig!

    Ich könnte mich kugeln über Einstein’s Erwiderung zu MM’s Aussage☺️
    Bin mir sicher, daß Eltern, bis eben auf ein paar unrühmliche Ausnahmen, ihre Kinder lieben! Egal, wie sie aussehen oder welchen IQ sie haben. Natürlich ist es für die meisten Eltern sehr schlimm und vielleicht stürzt ihre Welt zusammen, wenn ihr Kind krank zur Welt kommt. Auch meine Tochter war herzkrank und kam mit einer Neigung zu bestimmten Tumoren (die auch schon auftraten) zur Welt. Ich hatte in der Schwangerschaft gesund gelebt, absolut kein Tropfen Alkohol, kein Medikament und keine Zigarette, war ständig unter ärztlicher Kontrolle und doch ist es passiert.
    Wenn ich das in der SS gewußt hätte, hätte ich trotzdem nie etwas manipulieren lassen wollen. Wir haben alles zusammen durchgestanden und sind dadurch stärker geworden und ich glaube, daß die Bindung zu einem kranken Kind noch stärker ist, als zu einem Gesunden. Gut, es gibt ganz entsetzliche Erkrankungen oder Entwicklungsstörungen im Mutterleib. Da muß man den Eltern überlassen, ob sie glauben, daß sie ein Leben lang der Belastung standhalten oder damit leben können, daß ihr Kind vielleicht nicht alt werden wird. Dann werden sie sich entscheiden, wie es für sie tragbar ist.
    Ich fürchte, daß man sich in dieser Welt, in der die Schönheit und Oberflächlichkeit so viel Wert hat, zukünftig schon vor der Zeugung beim Genmanipulator trifft und sich am PC das Kind „designen“ läßt. Echt, so ein blödes Wort: Designerbaby?

    Wie es mit dem „Ersatzteillagerkind“ oder „Rettungsgeschwister“, wieder fürchterliche Ausdrücke, aussieht, da mag ich mich nicht äußern, weil wenn ich darüber nachdenke, könnte ich nicht sagen, wie ich entscheiden würde. Wenn mein Kind so krank ist und es nur ein Geschwisterchen vor dem Tod, z.B. durch Knochenmarkspende, bewahren könnte…..tja, würde ich dann dieses Kind, das ich dann erst noch gebären müßte, nicht mit einem sehr schlechten Gewissen ihm gegenüber, zur Welt bringen? Würde es sich später mißbraucht fühlen? Da aber Kinder hilfsbereit und gut sind, würde es sicher gern seinem Geschwisterchen helfen, wenn man es vorher fragen könnte. Könnte ich mich in diesem Fall mit Genmanipulation anfreunden? Ich weiß es nicht, hier setzt mein Urteilsvermögen aus.
    Es gibt halt doch ein paar wenige Punkte, wo man ein kleines JA zur Genmanipulation flüstern möchte.
    Fazit: echt ein schwieriges Thema, also vernunftmäßig lehne ich Genmanipulation ab, weil ich mir sicher bin, daß es wieder mal eskaliert durch ein paar obergierige Hände. Für 1 oder 2 Punkte würde ich unter Vorbehalt zustimmen, auch wenn es eine gesetzlich streng geregelte Sache wäre, finden sich bestimmt wieder welche, die das unter der Hand ausufern lassen.

    LG Elisabeth

    Antwort
    • 28. Juli 2016 um 10:53
      Permalink

      Hallo Elisabeth,

      Finde es trotz des ernsthaften Themas irgendwie amüsant, das du beim Wort Designerbabies an Gucci und Versace denken musst. Für mich hat das irgendwie etwas alienhaftes, etwas nicht von dieser Welt. Muss da zu allererst an Akte X denken. Sieht man sich manche Promieltern an, wie sie ihren Nachwuchs hätscheln und tätscheln, um der Welt der reichen Eltern gerecht zu werden, hat es irgendwie auch etwas mit Designerbabies zu tun – wenn auch in einem ganz anderen Kontext. Nicht Genmanipulation sondern Gedankenmanipulation am noch jungen Wesen.

      Das Klonschaf „Dolly“ zeigte schon vor vielen Jahren wie weit der Mensch gehen würde und mit welchen Konsequenzen diese Eingriffe einhergehen. Habe erst gestern gelesen, dass die Geschwister von Dolly normal altern und keine Fehlbildungen ausweisen. Natürlich kann man das nicht sofort auf den Menschen übertragen bzw. hat der Mensch mehr Möglichkeiten sein Unbehagen uns mitzuteilen, als ein Schaf je im Stande wäre. Aber alleine dieser „Erfolg“ am Tier könnte irgendwann in naher Zukunft das Verbot der Genmanipulation am Menschen aufheben. Und das passiert bereits jetzt zu unserer Zeit, Schritt für Schritt.

      Das verhält sich wie bei Badeanzügen für Musilma. Abfällig kann man diesen Ganzkörperbadeanzug auch Burkina nennen. Hat zwar nichts mit einer Burka genauso wenig gemein wie mit dem Bikini, aber die abfällige Haltung gegenüber dem Kleidungsstück ist mit diesem Wort bereits sehr gut ausgedrückt. Genauso verhält es sich mit dem Wort „Designerbabies“, obwohl die Forschung noch sehr weit entfernt ist ein Kind tatsächlich zu designen und es noch völlig offen ist, ob dies überhaupt jemals auf diese Weise möglich sein wird. Da muss man in Anbetracht der mangelnden Aufklärung die Kirche im Dorf lassen. Mit dem Begriff „Rettungsgeschwister“ verhält es sich nicht anders.

      In Anbetracht unserer Zeit in der wir leben, in einer Welt in der Familie nur noch einen untergeordneten Stellenwert hat und man auf der einen Seite für jeden und alles Verständnis haben soll, andererseits der Keil die verschiedenen Gesellschaften und Kulturen immer weiter spaltet und die Sehnsucht nach einem perfekten Leben wie im Hollywood-Film an immer größeren Reizen gewinnt, ist es nicht verwunderlich wenn es tatsächlich viele Paare gibt, die einem Kind nach Wunsch nicht abgeneigt wären. Der Druck auf die nächsten Generationen wird enorm zunehmen: Keine Zeit um krank zu werden, Eltern haben keine Zeit und Geduld für die Erziehung, Lernschwächen werden als großes Problem angesehen und das höchste Ziel ist nicht das eigene Glück im Leben sondern gewissen Idealvorstellungen der Gesellschaft gerecht zu werden. Ein Kind mit „Behinderung“ hat in dieser leistungsorientierten Gesellschaft ohnehin keinen Platz.

      Erst vor wenigen Tagen gab es einen Amoklauf in einem Behindertenheim in Japan. Der Täter rechtfertigte seine Taten dadurch, dass er Menschen mit Behinderung als Problem sieht und diese deshalb „ausrotten“ wollte. Das ist sicherlich ein Extremfall, aber allgemein habe ich das Gefühl, dass wir uns immer mehr der Denkweise des 3. Reichs annähern. Auf der einen Seite ist man von den Verbrechen aus damaliger Zeit schockiert, andererseits weichen die Argumentationen von so manchen in Anbetracht der weltweiten Krisen und Probleme, nicht mehr allzu sehr weit von damals ab.

      Ich persönlich war gegenüber einem „Rettungsgeschwister“ (was für ein Unwort!) auch eher abgeneigt, aber mittlerweile änderte ich meine Meinung dazu. Vor allem der Artikel zu „Charlie“ zeigte mir eine differenziertere Sicht auf das Ganze. Dort heißt es: Jamie said he ‚doesn’t feel like a super hero‘ for saving his brother’s life.

      http://www.dailymail.co.uk/health/article-1389499/I-know-I-born-save-Charlie-instead-born-just-Brotherly-love-saviour-sibling.html

      Kinder spüren doch immer sehr schnell, ob sie geliebt werden oder nicht. In der Liebe zu jemanden hilft man immer sehr gerne. Vor allem Kinder. Vielleicht ist das so wie bei selbstfahrenden Autos: Unsere Generation wird immer ein ungutes Gefühl haben, sein Leben einer Maschine zu übergeben, aber die nächste Generation die mit dieser Automatisierung aufwachsen wird, wird sich höchstens über uns wundern. Dann sind wir die „Alten Spießer“. So ist es wohl auch mit den Rettungsgeschwistern, die mit dieser Situation in selbstverständlicher Weise aufwachsen, wie ein Blinder, der eben auch nie seine Einschränkung groß thematisieren wird – vorausgesetzt er hat sie von Geburt an!

      Die Frage die für mich bleibt ist, wie weit man gehen darf und soll! Man kann sich an vieles gewöhnen – auch an Angst und Tod! Die berechtigte Gefahr besteht natürlich darin, dass Staaten oder Gruppierungen, die sich weigern zukünftige internationale Verträge zum Schutz des Menschen oder was auch immer, zu unterzeichnen und mit dieser Technologie einen leistungsfähigeren Menschen „produzieren“. Zum Wohle der Wirtschaft und der eigenen finanziellen Absicherung. In Anbetracht von Krieg und Terror ist bereits jetzt ein Menschenleben nicht mehr sehr viel mehr wert als eine gute Schlagzeile am Tag darauf. Mit dieser Technologie vielleicht noch viel weniger! Aber trotz aller Schwarzmalerei gibt es auch Erfolgversprechendes. Der Atomsperrvertrag wird zwar nicht von allen eingehalten, aber ein atomarer Test wird zumindest international geächtet und diese Staaten anschließend sanktioniert und isoliert. Diese Entschlossenheit gegen den Gebrauch von Nuklearwaffen hätte man sich in den 1960er Jahren nur allzu sehr gewünscht. Die Gier kennt keine Grenzen aber der Wille zu überleben ist manchmal doch noch stärker. Das kann man auch auf zukünftige Genmanipulationen am Menschen anwenden. Zumindest hoffe ich das!

      LG
      Da_Wolf

      Antwort
  • 13. August 2016 um 11:25
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    meiner bescheidenen meinung nach wären perfekte eltern wichtiger als ein designtes kind. zu viele kinder sterben, weil die eltern gewalt anwenden wie prügel oder bei babys das beliebte schütteln der eltern, wenn das kind zu lange schreit.
    kinder können zu guten, herzenswarmen und erfolgreichen menschen heranwachsen, wenn die eltern endlich aufhörten, ihre kinder nach ihren vorstellungen formen zu wollen.
    leider kann ich davon erzählen, aber der anstand gebietet das schweigen.
    deswegen lehne ich ich das perfekte oder designte kind kategorisch ab.
    man soll der natur nicht ins handwerk pfuschen.

    Antwort
    • 16. August 2016 um 10:46
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      Kann dir da nur zustimmen. Designen kann zwar mit Operationen einhergehen, aber viel schlimmer auf die Psyche heranwachsender wirkt sich das Verhalten mancher „Tigereltern“ aus. Entweder werden sie bereits von klein an erzogen, später in die Fußstapfen der Eltern zu treten oder Goethes „Faust“ als Abendlektüre für Kleinkinder vorgelesen, damit sie später (in 15 Jahren!) den Aufstieg auf die Uni schaffen. Kenne selbst Fälle in denen die Eltern gleich von Beginn an das Kind Englisch oder Deutsch (wenn diese nicht in D-A-CH Ländern aufwuchsen) aufgezogen hatten, um dieses auf ein zukünftiges Auslandsstudium vorzubereiten. Eine körperliche Einschränkung oder Veränderung (medizineischer Eingriff) von Geburt oder Kleinkindalter an wird meistens sehr gut angenommen, aber am psychischen Druck zerbricht Jeder über kurz oder später. Von körperlicher Misshandlung wie du sie beschrieben hast, ganz zu schweigen.

      Muss dabei immer an Amy Chua denken:

      http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/themen/bestseller-erziehen-auf-chinesisch-wie-die-tigermutter-ihre-kinder-zum-siegen-drillt-1581560.html

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      • 17. August 2016 um 10:50
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        eigentlich traurig, dass du mir zustimmen kannst und ich deinem kommentar.
        eigene erfahrungen möchte ich mal aussen vor alssen.
        ich habe im tv vor langer zeit einen bericht über tigermütter gesehen.
        die armen kinder, die nicht kind sein dürfen.

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  • Pingback: Lesenswert, bald werden wir alle perfekte programmierte Menschen sein. Ob das eine gute Idee ist? – Mind Comedy: Blog

  • 27. August 2016 um 8:59
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    Vielen Dank für diese Aufbereitung dieses interessanten Themas!

    Antwort
  • 27. August 2016 um 9:43
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    Ich sehe das sehr kritisch, zumal wir ja sowieso auf Übervölkerung zusteuern. Natürlich ist es für jene Menschen die betroffen sind, ein schwerer Schicksalsschlag. Andersrum wenn die natürliche Auslese außer Kraft gesetzt wird, was ja vor allen Dingen in den Eliten führender Staaten der Fall wäre, so wird dies langfristig Konsequenzen haben.
    Das ist im Prinzip Eugenik unter dem Deckmantel der Humanität – natürlich nur für jene die es sich leisten können.
    Dabei entschleunigen Kranke auch eine Gesellschaft und halten das Mitgefühl, die Sensibilität und Fürsorge wach. Solche Designerbabys wachsen mit dem Gefühl heran was Besseres zu sein. Eine Gesellschaft voller perfekter Menschen wird auch gnadenloser, gegen sich und vor allen Dingen gegen jene die ihren Maßstab nicht erreichen oder rein finanziell ärmer sind.

    Antwort
  • 25. Oktober 2016 um 16:41
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    Ja sagt mal! Merkt Ihr echt nicht wie sehr Ihr Euch immer weiter von Eurem Paradiesleben entfernt? Wir haben’s Euch bis heute sozusagen konservieert, damit Ihr seht wie leicht Ihr immer wieder zurück kommen könnt.
    Langsam wärs Zeit, denn Eure Zuvielisations- Utopie geht doch immer schneller den Bach runter!
    Sogar fürs KIndermachen bei dem wir noch immer quietschen vor Vergnügen braucht ihr einen Doc und müsst dafür arbeiten!

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